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Wie viel Staat braucht es für «Green Economy»?

Das 1. Lifefair-Forum im Credit Suisse Forum St. Peter war ein voller Erfolg. Rund 200 Personen verfolgten die spannende Diskussion des hochkarätig besetzten Panels. Dabei war man sich einig, dass die Schweiz im Bereich der nachhaltigen Wirtschaft weltweit eine führende Rolle übernehmen kann. Umstritten war aber, wie viel Staat es dafür braucht.

«Die Schweiz hat alle Voraussetzungen, um im Bereich einer nachhaltigen Wirtschaft weltweit eine führende Rolle zu übernehmen», betont Nick Beglinger, Präsident swisscleantech, in seinem Einführungsreferat. In vielen Bereichen sei die Schweiz schon heute führend. So werde sie im Ausland als Cleantech-Land wahrgenommen. «Ausserdem sind wir das wettbewerbsfähigste Land der Welt und Europameister in der Innovation», sagt Beglinger und erwähnt als «Vorzeigebeispiele» Bereiche wie Recycling, Mobilität oder den biologischen Landbau. Nun müsse sie auch in anderen Bereichen punkten.

Welche Regeln soll der Staat vorgeben?
Für die Förderung von grüner Wirtschaft brauche es deshalb die Hilfe des Staates, so Beglinger. Er fordert Regeln, die der Staat vorgibt, «aber keine Überregulierung, sondern nur einen gewissen Rahmen.» Dem kann auch Hans Ruedi Schweizer, VR-Präsident der Ernst Schweizer AG, nur zustimmen: «Wir brauchen den Staat, um den Durchbruch zu schaffen. Es braucht aber den richtigen Mix zwischen Lenkungsabgabe und Förderung.»
Anders beurteilt Miroslav Durana, Director im Global Research bei der Credit Suisse, die Rolle des Staates. Es brauche nicht diese starke Regulierung. «Die Ressourcenknappheit wird die Unternehmen so oder so zu einem nachhaltigeren Wirtschaften zwingen», ist der CS-Direktor überzeugt. Deshalb findet er auch Lenkungsabgaben nicht sehr sinnvoll. Durana: «Der Markt sollte über den Endpreis von Energie entscheiden.»

Lenkungsabgaben als Instrument
Dem kann Felix Meier, Leiter Konsum und Wirtschaft beim WWF Schweiz, nicht zustimmen. Im Gegenteil: Ihm gehen die Bemühungen des Staates noch zu wenig weit: «Es genügt nicht, wenn wir nur 10 bis 20 Prozent CO2 einsparen. Wir müssen unsere Emissionen um etwa 90 Prozent reduzieren», sagt er und fordert Lenkungsabgaben, die die Energie verteuern. Diese ist noch immer zu billig, ist Beglinger überzeugt und ergänzt: «Auch wenn die Energiepreise etwas steigen würden, ist das ganz sicher nicht das Ende der Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz.»

Einig war sich das Panel hingegen, dass fossile Energieträger nicht mehr weiter subventioniert werden dürften. Dies führt zu einer Wettbewerbsverzerrung, lautet der Tenor. «Es muss im Bereich der Energie endlich eine Kostenwahrheit geben», betont auch Kathrin Amacker, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Swisscom.

Jetzt keine Schnellschüsse
Angesichts der Ereignisse in Japan seien jetzt aber keine Schnellschüsse angebracht. Darüber herrschte bei den Teilnehmern des Lifefair-Forums, das von Dominique Reber, Leiter Infrastruktur & Energie/Umwelt bei economiesuisse, moderiert wurde, Einigkeit. «Wir müssen uns nun nur endlich bewusst werden, dass die Chancen einer nachhaltigen Wirtschaft grösser sind als die Risiken», sagt Beglinger abschliessend.

>> Feedback: Auswertung der Umfrage      

Lifefair Forum
 
Das Forum ist eine kompakte Abendveranstaltung für Führungskräfte und Interessierte aus Wirtschaft, Verwaltung und NGOs zur Frage, wie Nachhaltigkeit wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt werden kann. Jeder Event umfasst einen Keynote-Speech, eine kontroverse Diskussionsrunde mit Topreferenten aus Wirtschaft, NGO oder Verwaltung sowie den Austausch mit den Zuhörern. Danach folgt der Apéro zwecks Erfahrungsaustausch unter Führungskräften und das «Get-Together» mit Gleichgesinnten. Das erste Forum fand Ende März im Credit Suisse Forum St. Peter statt. Das Thema war: «Green Economy Chancen und Risiken für Schweizer Firmen». Unterstützt wurde dieser Anlass von der Credit Suisse als Gastgeberin sowie von Swisscom und economiesuisse.  

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